Der feste Arbeitsplatz ist Geschichte

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Die Bild Zeitung hat mit dem Microsoft Chef Herr Dr. Christian Illek ein kurzes aber interessantes Inteview zum Thema Vertrauensarbeitszeit  und -ort geführt. Nachdem Microsoft seine Zentrale nach der Fertigstellung im Jahr 2016 nach München verlegt, möchte man dort offene Büros und großzügige Meetingräume für ca. 1900 von 2700 der deutschen Angestellten errichten.

War es nicht die Stadt München die vor rund 10 Jahren aufgrund von Unstimmigkeiten auf eine Linux Distribution auf rund 10.000 Clients umgestiegen ist? Zumindest wird die neue Zentrale für München ein netter Zugewinn sein. Ob man sich mit Microsoft bzgl. der Clientumstellung wieder zusammenfinden wird bleibt abzuwarten.

Darum geht es nun aber momentan auch nicht. Viel interessanter ist die Haltung von Microsoft gegenüber seinen Mitarbeitern. So ist das im Interview besagte Vorgehen bei der Arbeitszeit und dem Arbeitsort nur zu begrüßen. Weg von dem Motto „Vertrauen ist gut, Zeiterfassung ist besser„, reiht sich Microsoft neben BMW, Siemens, Computacenter und Co. in die Liste der flexiblen Arbeitgeber ein.

Ich persönlich kenne beide Systeme (aktuell Vertrauensarbeitszeit) und bin ein großer Freund dieser Flexibilität, kenne ich doch auch genug ITler die um 14 Uhr schon Langeweile haben, das Arbeitszeitkonto aber voll bekommen müssen um Fehlzeiten im Gleitzeit-System zu vermeiden. Hier sollte man das Büro verlassen können und nicht die Ressourcen des Arbeitgebers in Form von Surfen und anderem Sinnlosem verschwenden. Vom Chef erwischt zu werden ist nämlich auch nicht fördernd. Gleichzeitig spart sich ein Unternehmen Ausgaben für die Bereitstellung von Büronutzfläche und der Errichtung fester Arbeitsplätze + Nebenkosten. Gerade in München wird man bei den aktuellen Quadratmeter-Preisen so eine sichtbare Einsparung erkennen. Mitarbeiter sind sich oft nicht bewusst, was ein fester Arbeitsplatz mit einem Tisch, Sideboard, Rollcontainer, Notebook oder PC + Monitor und anderen Arbeitsutensilien für Kosten verursachen kann.

Mitarbeiter die eine solche Vertrauensarbeitszeit genießen dürfen, erbringen aus meiner Erfahrung heraus eine qualitativ hochwertigere Arbeitsleistung da auch grundsätzlich das berufliche mit dem privaten optimal in Einklang gebracht werden kann, sofern man sich an die Regeln hält. Das Vertrauen darf natürlich nicht nur eine gut gemeite Sache des Arbeitgebers sein, sondern muss auch von jedem Mitarbeiter richtig gelebt werden. Nur so ist dieses Modell zukunftsweisend und erfolgsversprechend.


In der Münchner Microsoft-Zentrale darf ab sofort jeder arbeiten wann er will und wo er will. Mit Vertrauensarbeitszeit und -ort lockt der Softwarekonzern (40-Stunden-Woche) junge Talente.

BILD fragte Microsoft-Chef Christian Illek: Darf bei Microsoft jetzt jeder machen was er will?

Christian Illek: „Bei uns muss jeder seine Arbeit erledigen, aber der feste Arbeitsplatz ist Geschichte. Feste Arbeitszeiten haben wir schon seit 1998 nicht mehr. Unsere Mitarbeiter setzen sich in Teams zur Arbeit zusammen, machen Videokonferenzen und arbeiten gemeinsam an Dokumenten. Dafür müssen sie nicht am selben Ort sein.“

Ihre Mitarbeiter müssen also nie mehr ins Büro?

Illek: „Es gibt keine Vorgabe mehr, dass Mitarbeiter ins Büro kommen müssen. Die Teams entscheiden selber, wie sie am besten zusammen arbeiten. Das steigert die Produktivität, weil zum Beispiel lange Anfahrten zu Meetings wegfallen. Wer aber jeden Tag gerne ins Büro kommt, darf das auch tun. Alles ist möglich.“

Und woher wissen Sie, dass Ihre Mitarbeiter nicht im Café sitzen und BILD.de lesen?

Illek: „Wir haben Zielvereinbarungen und überprüfen die Leistung unserer Mitarbeiter. Aber das ist unabhängig davon, wo und wann der Kollege die Arbeit macht. Die Mitarbeiter sind erwachsen genug, damit umzugehen und diesen Vertrauensvorschuss nicht auszunutzen. Aber es gibt auch 10 Regeln für Chefs und für Mitarbeiter.“

Warum machen Sie das?

Illek: „Wir kämpfen um die besten Talente. Gerade jungen Leuten werden Arbeitsumfeld und Flexibilität immer wichtiger. Mit diesem Modell können wir Mitarbeiter für uns überzeugen.“

Bekommen Ihre Mitarbeiter dafür weniger Festgehalt als woanders?

Illek: „Microsoft gehört bei den Gehältern im Vergleich zur Konkurrenz zum Top-Viertel. Aber bei uns gibt es ein sehr genaues Feedback-Verfahren. Jeder Mitarbeiter hat pro Jahr drei Leistungskontrollgespräche. Das wirkt mehr, als Arbeitszeiten von neun bis 17 Uhr.“

Was brauchen Ihre Mitarbeiter dafür?

Illek: „Ein Smartphone, ein Notebook oder Tablet und einen Breitbandanschluss. Das ist klar: Es kann nicht von zu Hause arbeiten, wer auf einer Hallig ohne schnelles Internet sitzt.“

Geht der Breitbandausbau in Deutschland schnell genug?

Illek: „Die Ziele für den Breitbandausbau sind ambitioniert und richtig. Sie müssen dringend konkretisiert werden. Taten zählen.“

Müssen Ihre Mitarbeiter immer erreichbar sein?

Illek: „Es gibt keine Pflicht, immer erreichbar zu sein. Aber bei uns werden auch nicht ab einer bestimmten Zeit die E-Mails abgeschaltet. Unsere Mitarbeiter sind erfahren und entscheiden selbst, wie lange sie auf E-Mails reagieren wollen. Da gibt es keine Beschwerden, sonst hätte der Betriebsrat diese Vereinbarung auch nicht unterschrieben.“

Ist Burn-out ein Thema?

Illek: „Mir ist aktuell kein Burn-out-Fall im Unternehmen bekannt. Wir schauen aber nicht zu, bis es dazu kommt, sondern investieren in Prävention, z.B. mit Anti-Stress-Trainings.“

Ist Deutschland bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen rückständig?

Illek: „Ich kenne jedenfalls keine größere Firma außer uns mit so einem Modell. Und das Interesse in der Wirtschaft ist riesig. Die Vorteile liegen ja auf der Hand, aber viele rufen mich an und wollen wissen, wie die Umsetzung funktioniert.“

Und wo stellen Ihre Mitarbeiter künftig die Fotos ihrer Kinder auf?

Illek: „Das haben sie wahrscheinlich auf dem Tablet (lacht). Im Ernst: Jeder ist flexibel unterwegs und hat überall Zugriff auf Daten im Netzwerk. Aber ein kleines Wohnzimmer kann man sich in der Tat nicht mehr einrichten.“