Freelancer, Personalagenturen und manche Unverschämtheiten

 in Arbeitswelt

Mit relativ jungen 20 Jahren hatte ich damals mein erstes Projekt im 500km entfernten Hamburg. Die Vermittlung fand damals durch die Fa. Martin Gudel EDV-Dienstleistungen (heute MG IT SERVICE Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)) statt. Nachdem ich diese Entfernung wegen einem wirklich nur 15 minütigen Gespräch mit dem Endkunden zurückgelegt hatte, musste ich feststellen, dass ich zwar ein persönliches Kennenlernen bevorzuge, aber die gestellten Fragen tatsächlich hätten am Telefon beantwortet werden können.
Im Anschluss war vom Recruitment, über das Aushandeln der vertraglichen Bedingungen bis hin zur Projekterfüllung alles optimal, eben so wie man sich das auf Dauer vorstellen möchte.
Mitunter lag das sicher an der damaligen Firmengröße und den durchdachten Abläufen von Herrn Martin Gudel.

Als Freiberufler ist man nunmal auf sich selbst gestellt und verirrt sich auf so manche offene Portale wie z.B. www.freelancermap.de, www.gulp.de, www.freelance.de oder auf Agentur-Interne Portale wie www.etengo.de oder www.twago.de.

Ist das eigene Profil einmal veröffentlicht, haben die Recruiter der Personalagenturen die Möglichkeit einen zu kontaktieren, den Freiberufler auf ein Projekt aufmerksam zu machen oder aber der Freiberufler wendet sich selbst an den für das Projekt zuständige Recruiter.

Nach dem ersten Projekt in Hamburg war meine CV (Curriculum Vitae – Lebenslauf) noch relativ dünn befüllt, dass ich hier erst einmal kleine Brötchen backen muss, war mir damals bewusst, immerhin hat der Endkunde die Qual der Wahl und sucht sich den besten freien aus.

Die Fa. IDM Support & Consulting GbR wurde auf mich aufmerksam. Frau Straub, meine damalige Ansprechpartnerin machte telefonisch einen wirklich seriösen Eindruck. Zwar gab es bei dem Projekt im Pharmaziebereich im Vorfeld etwas längere Absprachen was aber den geplanten Projektstart nicht gefährdet hat.
Während der Projektdauer war Frau Straub immer eine seriöse und professionelle Ansprechpartnerin, muss aber zugestehen, das ich frühzeitig aus dem Projekt ausgeschieden bin und mit der Agentur von Frau Straub auch nicht im guten auseinandergegangen bin. Meine Erfahrungen teilen wohl auch andere Freiberufler, wodurch Frau Straub mit Ihrer IDM Support & Consulting GbR bei einer Umfrage der Freelancer.Net GmbH im Jahr 2013 unter 1.540 IT-Freelancern den zweiten Rang belegt hatte. Schaut man sich nun die Webseite der IDM an, kommt man schnell auf den Punkt, dass die Qualität einer Agentur nicht unbedingt an der Webseite gemessen wird. An dieser Stelle möchte ich Frau Straub aber doch mal zu einem Redesign der Webseite raten, irgendwann wird es doch mal zeit.

Den ersten Platz in der Umfrage belegt die Fa. Etengo AG mit der ich ebenfalls gute (leider nicht sehr gute) Erfahrungen machen konnte. Mein Profil war schon 1 Jahr lang bei der Etengo gelistet und so manches Projekt hörte sich an als hätte man es direkt auf mich zugeschnitten. Leider gab es anfangs keinerlei Reaktion auf meine Bewerbung, was eventuell mit der Flut an Bewerbern gerechtfertigt werden könnte. Ich hätte mir an dieser Stelle wenigstens eine kleine Absage, auch wenn nur per Standardvorlage gewünscht.
Irgendwann kam dann doch eine „ganz dringende“ Anfrage eines Finanzdienstleisters aus Köln.
Diesmal funktionierte das Gespräch mit dem Endkunden ohne persönliches Vorstellen und kann der Etengo AG für die Abwicklung die volle Punktzahl geben. Interessant ist das ORP (Online-Rechnungs-Portal) dass die Etengo online zur Verfügung stellt. Hier kann der Freiberufler seinen Stundenzettel direkt hochladen, aus damals 3 verschiedenen Zahlungsziehle (je schneller, desto höher das Skonto) auswählen. Die Zahlungen waren stets pünktlich eingegangen und ohne gestellte Rechnung beglichen worden. Hier arbeitet die Etengo AG mit einem anerkannten Gutschriftverfahren womit der Freiberufler mit der Auszahlung auch eine Quittung der Gutschrift ausgehändigt bekommt.

Meine längste Zusammenarbeit hatte ich mit der Fa. Knieper Consulting AG. Nach und nach konnte ich hier auch der ein oder andere der Zahlreichen Events die die Knieper Consulting AG veranstaltet  die Mitarbeiter kennen lernen. Kurz gesagt, waren alle meine Ansprechpartner seriös, schnell und auch wirklich unkompliziert. Später wurde die Knieper Consulting AG auch ein wichtiger Kunde meiner gegründeten boschert consulting GmbH. Zwar gab es wie aber sicher normal in der Branche die ein oder andere Wartezeit bei Absprachen, was aber vielleicht auch an der rheinischen Kultur liegen mag. Gehalten wurden alle Abmachungen, obwohl es noch keine vertragliche Grundlage gab, was aber auch mit dem hohen internen Arbeitsaufkommen zu tun hat, wie ich erfahren konnte. Nun nochmals ein herzliches Dankeschön an die wirklich gelungenen Teamevents. Ich werde sie vermissen, aber vielleicht erhalte ich doch nochmal eine Einladung, die ich natürlich gerne annehmen würde.

Neben den vier genannten seriösen Agenturen, mit denen ich zusammen arbeiten durfte, habe ich im hinterkopf immer wieder zwei Namen aus einer Gruppe.

Das sind speziell die Computer Futures GmbH und die Progressive Recuritment GmbH. Beide gehören zu der Gruppe oder wie auch selbst genannt „trading Division“ der SThree GmbH.

Seit meiner Eintragung in div. Projektportale bekam ich selbst als Einsteiger Projektanfragen der zwei besagten Firmen. Es waren ca. 4-5 Stück am Tag, wenn nicht noch mehr. Bombe, da muss doch was dabei sein, dachte ich. Doch was will ein an Technik orientierter Freiberufer plötzlich mit SAP-Systemen, C#-Projekten und anderen weltfremden Aufgaben anfangen? Nichts!. Ich schrieb bereits damals eine nette Email, dass man mir doch nur passende Projekte anbieten soll. Leider blieb alles, aber auch alles unbeantwortet. Mit der Zeit war auch mal 1 von 500 Projektangeboten wirklich zutreffend. Beworben und nie mehr eine Reaktion erhalten! Bei manchen Projekten hatte ich mich telefonisch an den Recuriter gewannt doch keiner von den Damen und Herren konnte meine Fragen beantworten und nur (merkbar) improvisieren. Einmal erhielt ich nach über 3 Jahren SPAM-Mails dann doch eine Antwort, bei der ich zuerst dachte mich verlesen zu haben. Ich sollte also bei einem Automobilhersteller ein Team von 4 Personen Leiten. Super mache ich, im besten und passenden Fall!. Vier Zeilen weiter war der Spaß dann vorbei. Auf Grund meiner Fehlenden Erfahrungen in meinem Lebenslauf könnte man mir einen Stundensatz von 18 Euro anbieten. Selbstverständlich reise ich durchs halbe Land, bezahle das Hotel und alle anderen Nebenkosten um mich dann auch noch an 70 Tagen Zahlungsziel zu erfreuen. Diesmal also die Absage inkl. Hinterfrageung meinerseits. Ohne Beantwortung natürlich.

Computerfutures GmbHZwar habe ich beide Häuser direkt mit einer Outlook-Regel in eine Art Spam-Ordner verbannt, doch bekomme ich bis heute Anfragen und das tägl. an die oben schon genannten vier bis fünf Stück. Wie funktioniert das ohne das beide Agenturen seit guten 4 Jahren kein aktuelles Profil von mir vorliegen haben?

Okay, ich glaube die arbeiten mit der NSA zusammen und lesen mit (Achtung Ironie!). Kaum hat man diese Agentur mal in Erinnerung und möchte diese in einem Artikel erwähnen, suchen diese um 20:04 Uhr während ich schreibe einen qualifizierten IT-Projektkoordinator. Furchtbar! Es ist aber auch nicht selten, dass diese Firmen gegen 23 Uhr oder gar 2 Uhr früh ihre Kandidaten anwerben. Solche Mitarbeiter wünscht sich jedes Unternehmen. Ein Hoch an den Automailer für diese Scheinprojekte.

Ich habe vor über zwei Jahren zwar guten fünf Recuriter in beiden Agenturen mitgeteilt, dass ich keine Anfragen mehr wünsche, doch selbst diese Email bleibt unbearbeitet.

Wenn es in der Freiberufler-Theorie auch schön wäre, direkt und ohne Vermittler beim Endkunden ins Projekt zu kommen – es funktioniert in der Praxis nur bedingt.

Die Vermittler\Personalagenturen möchten natürlich auch etwas verdienen, sei es per Beteiligung am Stundensatz oder per Pauschal-Honorierung, am Ende drückt es den mögl. Stundensatz des Freiberuflers. Zwar hat man so durch die wegfallenden Aufwände weniger Arbeit, aber aus eigener Erfahrung halten selbst diese sich in Grenzen.

Profile guter Freiberufler sind das Kapital der Personalagenturen – über viele Profile zu verfügen ist keine Kunst für sich. Je größer die Auswahl an Profilen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Agentur den passenden Freiberufler an Kunden vermitteln kann.
Nach acht Jahren kann ich behaupten, dass der Großteil der Agenturen Scheinprojekte inseriert, um auf diese Weise an die Profile guter Freiberufler zu gelangen. So kommt es auch vor, dass manche Projekte über ein Jahr inseriert sind.
Bewirbt sich eine qualifizierte Person nun auf ein solches Inserat, wird diese oft mit diversen Hinhaltetaktiken konfrontiert. Als Antwort erhält man dann oftmals …. Der Kunde benötigt noch etwas Bedenkzeit, das Projekt wurde beim Kunden eingestellt, wir haben noch keine Antwort vom Kunden erhalten und zum Ende hört man nie wieder etwas von dem Projekt. Genau in dieses Schema passen auch obige zwei Unternehmen

Andersherum fragen Personalagenturen (obige zwei sehr intensiv) nach genauen Referenzen inkl. Ansprechpartner, die man auch gerne mal anrufen würde, um sich über die Zuverlässigkeit und die Qualität einer Person zu informieren. Ich habe hier jedoch immer dankend abgelehnt, geht es dabei doch um eine Art Neukundenakquise. Wie sonst kommt eine Personalagentur einfacher an Neukunden, als diese direkt vom Freiberufler zu erfahren. So spart sich die Agentur die gehasste und aufwendige Kaltakquise und hat Firma + den Ansprechpartner direkt auf dem Goldteller vor sich liegen. Es empfiehlt sich also immer sein Profil teils anonymisiert zu erstellen und anzubieten.

Interessant ist es auch mit anzusehen wie viele Agenturen mein Profil ohne vorherige Rücksprache angepasst haben, wodurch ich dann plötzlich der NetApp-Spezialist schlecht hin gewesen bin. Man hat mich ohne Rücksprache schon einmal beim Kunden angeboten, erfuhr ich von einer Agentur aus Neumarkt. Diese möchte ich namentlich nicht erwähnen, da ich behaupten möchte, dass der Misst lediglich auf den der damaligen Recruiterin gewachsen ist. Diese ist nun nicht mehr in der Agentur tätig, hatte aber das Glück diese Dame in meinem damals langfristigen Projekt kennenzulernen. Dort war Sie nämlich dann als Leiharbeiterin tätig. Mich wundert es nicht das sie nichts auf die Reihe bekommen hat, bei der cholerischen Art die sie unberechtigterweise an den Tag legte.
Entsprechend der Anpassung verlief dann auch das Telefoninterview – nämlich äußerst beschissen.

Anpassungen von Profilen, oder das Erwähnen und Hervorheben von Fachbegriffen sind für mich Okay und weiß aus eigener Erfahrung, dass diese Methode in jeder Agentur genutzt wird. Als Freiberufler sollte man jedoch aufpassen, dass die Anpassungen im Rahmen bleiben und der Wahrheit entsprechen, um sich nicht eventuell Arbeiten bei sämtlichen Endkunden entgehen zu lassen. Schnell ist nämlich der Freiberufler der Schuldige, womit es sich auch empfiehlt, dem Endkunden sein Originalprofil bei einem persönlichen Kennenlernen nochmals zu überreichen.

Auch bei Stundensätzen versuchen viele Agenturen sich den ein oder anderen Euro zu sichern und kommen mit so ziemlich dumpfen Argumenten da her.
Natürlich ist es ein Argument, das die Projektlaufzeit durchaus langfristig ist und der Endkunde nur Stundensatz x bezahlt, von dem wir nur x Euro weitergeben können.
Es kommt also oft vor, dass man bei der Projektlaufzeit nicht wirklich die Wahrheit erfährt. Die Dienstverträge werden marktüblich ohnehin immer 1/4-Jährlich geschlossen damit der Endkunde und die Agentur auf der sicheren Seite sind. Langfristige Verträge, die schon von Beginn an eine Laufzeit von 12 Monaten oder länger ausweisen sind sehr selten. ich empfehle also immer, den Endkunden persönlich oder bei einem Telefoninterview nach der Projektdauer zu fragen.

Stundensätze sind beim Endkunden hingegen tabu, das ist dann tatsächlich eine Verhandlung zwischen Freiberufler und Agentur.

Wenn der Endkunde hinsichtlich der Dauer etwas anderes erwähnt als die Agentur, liegt es nahe in welche Richtung es gehen soll\wird. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Agenturen ca. 5%-40% für sich behalten „wollen“, was sich jedoch am Projektumfeld orientiert.

Neben dem Stundensatz sind auch Zahlungsziele ein wichtiger Punkt. So habe ich erlebt, dass mir eine Agentur die sofortige Zahlung angeboten hat, was ich sehr löblich fand. Schlimm und schon fast kriminell wird es, wenn einem Freiberufler Zahlungsziele von 120 Tagen angeboten werden, die aber selbstverständlich für ein Skonto von 5% auf 60 Tage reduziert werden können. Hier empfehle ich jedem richtig zu verhandeln, denn die Skonto-Abgaben sind meistens recht hoch. Zwar hat die Agentur auch ein vereinbartes Zahlungsziel mit dem Endkunden und versucht im besten Fall die Auszahlung auf den Tag der Einzahlung des Endkunden zu legen, doch muss eine Agentur meiner Meinung nach auch mal die Arschbacken zusammenkneifen und in Vorkasse gehen. Schließlich ist der Freiberufler das Kapital  der Agentur.

Als Freiberufler muss man seine Erfahrungen entsprechend selbst sammeln. Gerade mit meinen damals jungen 20 Jahren habe ich in das ein oder andere Fettnäpfchen gegriffen wurde aber von erfahrenen Kollegen schnell aufgefangen und beraten. Nach 8 Jahren kann ich mit gutem gewissen behaupten, dass es mehr als eine Handvoll Agenturen gibt, die Transparenz und Ehrlichkeit anstatt auf der Flagge irgendwo auf einem Schmierzettel in der Putzkammer stehen haben.

Diese Agenturen möchte ich aber auch nicht namentlich zu erwähnen, da mir auch klar ist, dass der IT-Markt doch relativ klein ist und ich mir so eventuell mögliche spätere Chancen verbauen könnte. Genau deshalb sollte ein Freiberufler auch immer mit offenen und ehrlichen Karten spielen und eventuell auch mal ein Projekt ablehnen bevor es dann in die Hose geht, wenn z.B. die Skills fehlen oder die Entfernung zum Projektstandort auf Dauer zu groß ist.

Sollte ein Neustarter aber Fragen zu einer Agentur haben, die mir vielleicht bekannt ist, werde ich diese gerne in einer Email beantworten.

Einige interessante Informationen finden Newcomer auch unter http://www.fuer-gruender.de/wissen/existenzgruendung-planen/recht-und-steuern/rechtsform/freiberufler-werden/.



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