Haben wir Ihre Daten schon? Bonuskarten sind überall

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Sammeln Sie PayBack Punkte?, sind Sie schon schon Shell Clubmitglied?, haben Sie eine Deutschlandcard?, sameln Sie die OBI-Treuepunkte?

Eigentlich kann ich diese Fragen schon gar nicht mehr hören. Obwohl Kunden ohne Bonuskarte schon wirklich ein seltenes Exemplar sind. Rein statistisch gesehen, besitzt jeder Deutsche drei dieser schönen Datensammel-Karten, deutschlandweit gibt es ca. 200 Millionen. Doch wer hat ein tatsächliches Nutzen an diesen Karten? Der Verkäufer an der Kasse wird die Frage nach dem Nutzen auch nicht ehrlich beantworten können!

Der Verbraucher erhält meistens satte Rabatte bis hin zu einem vollkommen kostenfrei gefüllten Einkaufswagen, so kommt es mir zumindest vor wenn die Leute sabbernd die Bonuskarte zücken. Piep, die Karte ist über den Scanner gezogen und was passiert nun tatsächlich? Die Supermarktkette, Tankstelle oder wer auch immer inkl. dem Kartenherausgeber haben neben den persönlichen Daten aus der Anmeldung nun auch eine Art Bewegungsmuster. Wo geht der Kunde häufig einkaufen, was kauft der Kunde, wie viel und wie oft kauft der Kunde etwas?

Für diese wertvollen Daten erhält der Kunde dann satte 0,5-2% Rabatt. Nicht etwa direkt auf den Einkauf gutgeschrieben, sondern in Form von Treuepunkte, Aufkleber für Bonusheftchen, womit der Kunde sich ab einer gewissen Anzahl an Treuepunkten dann eine Prämie aussuchen darf.

Wenn ich mir die Prämienheftchen dann einmal ansehe, dann sehe ich hier eine Salz- und Pfeffermühle für 200 Treuepunkte ohne Zuzahlung, einen Wasserkocher für 400 Treuepunkte mit 10 Euro Zuzahlung, einen Rucksack für 120 Treuepunkte und und und.

Bis ich mir den tollen Wasserkocher mit integriertem USB Anschluss, WLan, Notstromaggregat und Bleistiftanspitzer aber zusenden lassen kann, müsste ich als Single erst einmal über zwei Jahre lang einkaufen, so das ohnehin ein stattlicher Umsatz für den Supermarkt zustande gekommen ist. Da hat der Supermarkt den Chinawasserkocher bereits 100fach eingenommen

Für den Verbraucher ist der tatsächliche Rabatt also oft nicht erkennbar, da es weder eine direkte Auszahlung gibt noch die Prämien qualitativ hochwertig sind bzw. oft utopisch hohe Prämienpunkte in Verbindung mit Zuzahlungen benötigt werden.

Der Hauptkritikpunkt von Datenschützern an diesen Bonuskarten ist der Umgang mit den Kundendaten. Vor kurzem hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das den Verbraucher schützt. Bisher hatte dieser der Weitergabe seiner Daten eindeutig widersprechen müssen, sonst kamen sie in Umlauf. Jetzt muss er der Weitergabe zustimmen und ist theoretisch besser geschützt. Die Adressdaten sind in der Industrie sehr wertvoll und werden wie eine Ware gehandelt. Eine der Motivationsgründe für die Bonuskarten ist also das Erlangen der Kundendaten. Mit dem Ausfüllen eines Anmeldebogens gebe ich für das jeweilige System meine persönlichen Daten, wie etwa Adresse, aber auch das Geburtsdatum etc. bekannt. Auch wenn ich der weiteren Vermarktung dieser Daten widersprechen würde, einmal habe ich sie weitergegeben und kann zumindest mit gelegentlicher Werbung im Briefkasten rechnen. Meist wird das Kaufverhalten ausgewertet und Nutzungsprofile der Kunden erstellt.

Die Experten von Finanztest empfehlen den Besitz einer Rabattkarte nur dann, wenn man ohnehin schon Stammkunde im entsprechenden Markt ist. Abgesehen davon sind die ehrlichsten Varianten des Rabatts Stempelkarten: Ob beim Friseur oder in der Tankstelle für die Autowäsche ist zum Beispiel der 10. Besuch gratis! Eine wirkliche Ersparnis, für die noch nicht einmal die Weitergabe der eigenen Daten erforderlich ist!

Doch Werbung ist nur einer der Verwendungszwecke. Der andere ist der Verkauf der Daten. Unternehmen, die Informationen über Kundenkarten oder auch beim Online-Einkauf gewinnen, veräußern sie an sogenannte Adresshändler, die sie aufbereiten und systematisiert zum Weiterverkauf anbieten.

Die Kosten für so einen Datensatz richten sich nach der Qualität und der Menge der Informationen, aber auch nach der mutmaßlichen Kaufkraft der Zielgruppe. Nach etwas googeln, bin ich hier auf Quellen gestoßen, die besagen, dass 1000 Datensätze für bereits 150 Euro verkauft werden.

Entsprechend ist meine Empfehlung, der Weitergabe der eigenen Daten direkt bei dem Kartenherausgeber zu widersprechen und sich hier eine schriftliche Bestätigung zukommen zu lassen. Gleichzeitig sollte nach „§ 34 BDSG Auskunft an den Betroffenen“ eine Aufstellung angefordert werden, darüber welche Daten gespeichert werden, an wen diese bereits weitergegeben wurden und wichtig, zu welchem Zweck diese überhaupt gespeichert werden.

Interessant wird hier sicherlich die Frage nach dem Zweck sein. Hier kann ich mir vorstellen, dass der tatsächliche Zweck mit Ausreden wie „Wir wollen nur das Beste für Sie“ begründet wird. Alternativ wird auf die Notwendigkeit laut AGB hingewiesen.

Das Fazit ist also, dass der Endverbraucher keinen wirklichen Vorteil hat, wenn er seine persönlichsten Daten weitergibt. Meine Empfehlung ist, sich den Wasserkocher in besserer Qualität bei Amazon oder gar bei einem kleinen privaten Elektrohändler zu kaufen. Unterm Strich ist dieser dann günstiger und die Daten bleiben das Eigentum des Kunden.

Jeder sollte sich dem Umgang mit seinen Daten bewusst sein und entsprechend handeln.

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