Homoffice, flexible Arbeitszeiten, Höchstgrenzen und ein Staat

 in Arbeitswelt, Das Gesetz



In meinem kleinen Beitrag „Der feste Arbeitsplatz ist Geschichte“ ging es unter anderem um zwei Arbeitszeitmodelle und ein Interview mit dem Microsoft Chef Herr Dr. Christian Illek.

Mittlerweile sind die Themen flexible Arbeitszeiten, Homoffice, und die Neumodelierung der Arbeitszeit in aller Munde und in den Medien stark präsent.

Die neue Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) verlangt eine neue Arbeitskultur in den Unternehmen. Wir müssen Vollzeit neu definieren, das war neben der Aussage „Wir brauchen eine neue Arbeitskultur“ nur einer der wenigen der letzten Tage.

Interessant sind ihre Aussagen allemal. Was mir fehlt ist die Erwähnung um welche Berufsgruppen es sich denn überhaupt handelt. Es kann schlecht von der Kassiererin ausgegangen werden, die nun die Packung Milch von Zuhause aus verkauft. Wen ich ihre Reden verfolge, so bemerke ich, dass unsere Arbeitsministerin keinerlei Ahnung von Zeit- und Ortmodellen in Unternehmen mitbringt und es lediglich ein allgemeines Blahblah ist damit Sie mal einen Einstand im Volk findet.

Nicht dass ich persönlich etwas gegen Frau Nahles oder die SPD habe, aber es ist unverantwortlich sich als Staat in die freie Wirtschaft einzumischen und zu versuchen das Wort Vollzeit-Beschäftigung neu zu definieren oder gar Regeln für flexible und Vertrauensarbeitszeiten aufzustellen. So werden aus flexiblen Arbeitszeit schnell unflexible, da ein Arbeitnehmer und ein Arbeitgeber unzählige Regeln einhalten müssen oder sollen.

Natürlich heiße ich jedes neue Arbeitsmodel das beiden Seiten, also dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer zugutekommt willkommen. Es soll selbstverständlich einem Unternehmen überlassen bleiben, inwiefern mit einem Arbeitnehmer über solche Freiheiten eine vertragliche Regelung gefunden wird. Nur so sprechen wir von tatsächlicher Flexibilität. durch div. Interaktionen durch den Staat werden andere Berufsgruppen vernachlässigt.
Wo bleibt die Gleichbehandlung? Allen kann man es natürlich nicht recht machen, doch was für Folgen haben Regeln die durch den Staat aufgestellt werden in Hinblick auf Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften? Haben wir wieder unzählige Streiks, die der Wirtschaft an anderer Stelle nur schaden?
Das ist meiner Meinung nach eine der wenigen Frage, die sich Frau Nahles einmal selbst stellen muss.

Das Arbeitszeitgesetz aus dem Jahr 1994 begrenzt die zulässige Arbeitszeit an Werktagen auf acht Stunden. Eine Ausdehnung auf bis zu zehn Stunden ist möglich, sofern der Achtstundentag langfristig eingehalten wir. Ende des kommenden Jahres möchte das Arbeitsministerium ein „Weißbuch“ vorstellen. Das solle dann die Grundlage für Prüfungen sein, ob und wo mögliche Anpassungen im Arbeitszeitgesetz nötig sind.

Das ArbZG (Arbeitszeitgesetz) legt unter anderem folgende Rahmenbedingungen

  • zur täglichen Höchstarbeitszeit der Arbeitnehmer,
  • zum insgesamt zulässigen Arbeitszeitvolumen,
  • zur Lage der Arbeitszeit während eines Tages,
  • über Pausen und Ruhezeiten sowie
  • zur Sonn- und Feiertagsbeschäftigung

fest. Der §3 „Arbeitszeit der Arbeitnehmer“ des ArbZG besagt

„Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.“

Ich selbst habe auch Vertrauensarbeitszeit, aber wer kann, wirklich sagen, dass dieser Paragraf auf Dauer tatsächlich eingehalten wird? Aus Sicht eines ITlers kann ich sagen, dass div. Projekte es verlangen, dass ein Tag eben mehr als 8 bzw. 10 Arbeitsstunden mit sich bringt. Das, so denke ich kennen viele Büroangestellte auch. Viele Angestellte tun dies freiwillig, andere um dem bösen Arbeitgeber keine Vorlage für Ärger zu geben.

Ich wäre an dieser Stelle für die Festlegung einer wöchentlichen maximalen Arbeitszeit und nicht wie bisher einer täglichen. Alleine durch diese Änderung entsteht mehr Flexibilität, die sich abseits von Büroangestellten auch positiv auf andere Bereiche ausdehnen kann. Meine Meinung teilt auch der Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.

Die Arbeitsministerin beruft sich auf den Koalitionsvertrag. Dort heißt es im Abschnitt zur Familienpolitik, dass Eltern von kleineren Kindern künftig 25 bis 30 Stunden pro Woche arbeiten können – und dabei staatlich bezuschusst werden. Voraussetzung ist allerdings, dass beide Elternteile die gleiche Stundenzahl arbeiten.

Wie „.. dass beide Elternteile die gleiche Stundenzahl arbeiten.“? Wo wird sich hier eingemischt? Soll ich meinem Arbeitgeber sagen, damit meine Frau weniger arbeiten muss und einen Zuschuss erhält ich auch nicht mehr so viel Arbeiten kann? Selbstverständlich wünschen sich Familien mehr Zeit gemeinsam zu verbringen, doch denke ich ist ein Arbeitgeber nicht gleich ein Sozialamt.  Was interessiert den Arbeitgeber was die Frau eines angestellten möchte? Dieses Modell kann nicht funktionieren. Grundlegend ist es lobenswert, wenn die Frau oder zumindest ein Elternteil sich mehr um die Kinder kümmern kann und hier staatlich bezuschusst wird. Unmöglich wird die Umsetzung dann, wenn man den Arbeitgeber des Partners dann dazu bewegen, möchte auch dem Partner diverse Stunden der Arbeitszeit zu erlassen. Schließlich ist auch der Staat im Zugzwang eine gerechte und auf die Arbeitszeit angepasste Kinderbetreuung zu schaffen.

„Nicht alles muss so bleiben wie bisher, aber es muss auch künftig einen wirksamen Rahmen geben.” Wenn ein Arbeitnehmer früher gehe, um bei den Kindern zu sein, und abends auf dem Handy schnell noch eine dienstliche Email erledige, dürfe er nach dem Arbeitszeitgesetz eigentlich nicht frühmorgens ins Büro kommen, so Nahles. Aber ist dies nicht die Flexibilität? Der Arbeitnehmer könnte doch Mittags auch auf das Kind verzichten und starr bis 18 Uhr im Büro sitzen und da die Email schreiben. Spätestens dann hat der Mitarbeiter nichts gewonnen.

Heutzutage bieten Arbeitgeber meistens schon das Mögliche an Flexibilität in Form von Vertrauensarbeitszeiten und Arbeitszeitkonten. Diese Errungenschaften der Arbeitnehmer und dem Entgegenkommen der Arbeitgeber darf man nun nicht mit staatlichen Regeln und Neudefinierungen aufs Spiel setzen.

Die Medien sprechen immer davon, das zu zeiten des digitalen Zeitalters flexible Arbeitszeiten immer notwendiger werden. Da frage ich mich weshalb wird dies überhaupt notwendiger? Worin liegt diese Aussage begründet? Hat ein Büroangestellter mehr Freizeit nötig als eine Kassiererin? Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Büroangestellte in Deutschland beläuft sich auf ca. 17.20047 Mio. von insgesamt 42.5500 Angestellten.

Eine statstik der Erwerbstätigen stellt das statistische Bundesamt zur Verfügung. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Erwerbstaetigkeit.html

Das bedeutet, dass wir hinten heraus noch genügend Kassiererinnen, Putzfrauen, Fließbandarbeiter und Co. haben. Hier muss einmal differenziert werden, welche Branchen sollen von solch einem Wandel betroffen sein? Ich stelle mir mal vor, wenn die Putzfrau das Büro heute mal nicht putzt, weil Sie nach Hause zu den Kindern möchte, aber am nächsten Tag dennoch der Vorstand zu Besuch kommt. Baut an dieser Stelle die Sekretärin Überstunden auf und schwingt den Besen selbst? Soll ich kurz mal zwei Stunden an der Kasse warten, weil die Mutter etwas kochen gehen will, oder übernimmt dann bei LIDL die Geschäftsführung selbst das Kassieren? Diese Zeit wird es garantiert nicht geben. Spätestens hier hat das vom Staat gewünschten Model versagt und böse Stimmen gegenüber Regeln und Gesetzen werden auftauchen.

Bleibt meiner Meinung nach die Hoffnung und der Wunsch, dass der Staat sich hier zurück hält und die vertragliche Verhandlung weiterhin den Arbeitgebern und Arbeitnehmern überlässt.
Zwar sind zahlreiche Stellen der gleichen Meinung, dass das Arbeitsergebnis gleichbleibend sein muss und sich nicht an der Präsenz ausrichten darf. Allen kann man es garantiert nicht gleichmachen, jedoch sollten auch keine Gruppen oder Bereiche besser oder schlechter gestellt werden. Es ist sicherlich genügend, wenn der Staat zum Schutz div. Gesetze bereit hällt um Arbeitnehmer zu Schützen aber eben nicht erforderlich um noch tiefer in flexible Systeme einzugreifen.