Kryptowährungen richtig versteuern

 in Finanzen

In dem Testbeitrag „Hashflare – Bitcoin & Altcoin Cloudmining – Test- & Erfahrungsbericht“ habe ich versprochen, noch etwas über den steuerlichen Aspekt aus dem gebiet der Kryptowährungen zu schreiben. Mittlerweile war ich bei meinem Steuerberater und der konnte mich aufklären. Doch die Aufklärung ergab nichts anderes, als das was man online schon nachlesen konnte.

Ein Gewinn unterliegt dem persönlichen Steuersatz

Die Finanzverwaltung hat schon vor einiger Zeit klargestellt, dass Kryptowährungen wie z.B. der Bitcoin, Ethereum, IOTA, Ripple und wie sie alle heißen, der Gegenstand eines privaten Veräußerungsgeschäfts ist (BT-Drucksache 17/14530, S. 40). Das bedeutet im einzelnen:

Werden Euro in Kryptowährungen umgetauscht, wird damit das Wirtschaftsgut z.B. in „Bitcoins“ angeschafft. Wichtige Punkte die man sich dabei notieren (z.B. in einer Excel-Tabelle) sollte, sind deshalb

  • den Anschaffungszeitpunkt
  • den Anschaffungspreis
  • die gekaufte Menge

Werd die angeschaffte digitale Währung dann innerhalb von zwölf Monaten nach der Anschaffung wiederverkauft, d.h. in Euros umgetauscht oder gar gewinnbringend in eine andere Währung getauscht, sind Gewinne in voller Höhe als „sonstige Einkünfte“ mit dem individuellen Steuersatz zu versteuern.

Die Abgeltungsteuer fällt darauf nicht an, denn es handelt sich steuerlich ja nicht um Kapitaleinkünfte.

Interessant ist z.B. der Kauf zu verschiedenen Kursen in kurz aufeinanderfolgenden Zeiten. Hier darf bzw. ist bei dem Finanzamt generell der Kurs des ersten Kaufs anzugeben. Das ganze nennt sich die „First in, first out„-Regel. Sollte es dennoch Nachfragen von dem Finanzamt geben, kann man anhand seiner kleinen Buchführung mti Excel Licht ins Dunkle bringen.

Steuerfreiheit bis 600 Euro oder aber 12 Monate warten

Die Gewinne sind Steuerfrei, solange diese unter der Freigrenze von 600,00 Euro bleiben. Aber aufgepasst! Sobald der Gewinn 601,00 Euro beträgt, ist nicht etwa nur der eine Euro zu versteuern, sondern die gesamten 601,00 Euro.

Eine vollkommene Steuerfreiheit hat derjenige, der seine gekaufte Währung über 12 Monate in einem Wallet hällt. Nach diesen 12 Monaten ist der gesamte Gewinn steuerfrei!
Aber auch hier gibt es div. Kleinigkeiten zu beachten. Wer z.B. vorgestern wie ich bei einem Kurs von 7800 Euro Bitcoins erwirbt, der muss diese auch tatsächlich über dieser 12 Monate in seinem Wallet halten. Die BTC z.B. nach 4 Monaten gewinnbringend z.B. auf Bincance in eine andere Währung zu tauschen, treibt einen direkt wieder zur Versteuerungspflicht.

Auch wenn die Veräußerung steuerfrei ist, sollte eine Anlage SO ausgefüllt werden. Das ist deswegen empfehlenswert, da die Feststellung der Steuerfreiheit am besten durch das Finanzamt erfolgt und nicht durch den Steuerpflichtigen. Im Grunde also einfach Einnahmen minus Ausgaben und dann Anschaffungs- und Veräußerungszeitpunkt angeben.

Der Verlustausgleich – Aber Achtung!

Natürlich kann es auch sein, dass ich innerhalb der 12 Monate z.B. meine Bitcoins mit Verlusten verkaufe, da ich eventuell dringend Geld benötige, der Kurs aber eher schlecht ist.

Verluste können zwar ebenfalls bei dem Finanzamt angegeben werden, dürfen aber nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden, und zwar durch einen Verlustausgleich im gleichen Jahr und durch Verlustabzug im Vorjahr und/oder in den Folgejahren. Anzugeben sind die Geschäfte in der „Anlage SO“.

Private Veräußerungsgeschäfte im steuerrechtlichen Sinne, sind nur Gegenstände, die keine Kapitalanlagen sind. Für den Anwendungsbereich der privaten Veräußerungsgeschäfte verbleiben folgende Fälle:

  • Veräußerung eines Grundstücks, wenn der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als zehn Jahre betrug
  • Veräußerung eines anderen Wirtschaftsgutes, das nicht dem täglichen Gebrauch diente, wenn der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr betrug (betrifft z. B. Edelmetalle und Kunst)
  • Veräußerung eines Wirtschaftsguts, aus dessen Nutzung als Einkunftsquelle zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt wurden, wenn der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als zehn Jahre betrug.

Ein privates Veräußerungsgeschäft kann nur vorliegen, wenn das veräußerte Wirtschaftsgut nicht einer anderen Einkunftsart (Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständige Tätigkeit) zuzurechnen ist (Subsidiaritätsgrundsatz). Das bedeutet, dass der Verlust auch sehr schwer als Verlustforttrag geltend gemacht werden kann, wenn man nicht gerade aus genannten Bereichen einen Gewinn, den man mindern möchte einegfahren hatte.

Zu erwähnen ist noch, dass auch Transaktionsgebühren, Walletgebühren, etc., also alles was an Kosten zum Handeln mit Kryptowährungen anfällt, ebenfalls verrechnet werden darf.

Wie sieht es mit Mining aus?

Anders als beim klassichen Kauf und Verkauf, fällt das Mining grundsätzlich unter den Bereich Gewerbebetrieb. Damit fällt der Punkt der Steuerfreiheit sofort weg!

Miner sind also ganz normale Gewerbetreibende. Sie sind also verpflichtet einen Gewerbeschein zu besitzen und sich entsprechend bei dem Finanzamt als Gewerbebetrieb zu registrieren.
Damit kommt man natürlich auch direkt in Verbindung mit Gewerbesteuer, Buchführungen, Umsatzsteuer, Gewerbemüllsteuer und und und.

Am letzten Punkt unterscheiden sich also Miner und private Spekulanten.

Miner üben keine privaten Veräußerungsgeschäfte aus und schöpfen daher aus der Rechenleistung den Mehrwert. Miner können daher mit einem digitalen Bergbauunternehmen gleichgestellt werden.

Die Gewinne aus dem Mining sind in Deutschland der Einkommensteuer zuzuordnen, wenn nicht gleich eine GmbH oder AG gegründet wird. Es reicht also ein klassisches Einzelunternehmen.
Die Gewinne sind mit Hilfe einer Einnahmenüberschussrechnung zu ermitteln. Das heißt, Einnahmen minus Ausgaben ergeben dann den Überschuss.

Schwierig wird es dann, wenn man nicht im eigenen Haus, eine kleine Miningfarm betreibt, sondern eher Teil eines Cloudmining-Anbieters wie z.B. Hashflare ist. Hier kann es vorkommen, dass je nach Vertrag der mit dem Anbieter geschlossen wird, die Versteuerung im Land des Anbieters notwendig ist.

Es ist also aktuell egal, ob ich selbst zuhause oder mit gemieteter Rechenleistung in der Cloud mine. Es bleibt dabei, dass ich hier ein Gewerbe anmelden müsste. Kevin hat in den Kommentaren unten bereits die Frage gestellt, wie es steuerlich gehandhabt wird, wenn er z.B. täglich ein Reinvestment tätigt. Diese Frage kann ich pauschal nicht beantworten. Da es sich um gewerbliche Einnahmen und Ausgaben handelt, können diese natürlich monatl. gegenseitig verrechnet werden.

Sollte der Fall bestehen, dass man doch der Annahme ist, „kein“ Gerwerbe zu betreiben, dann beginnt nämlich das große Rechnen, womit ich auf die Frage von Kevin leider keine Lösung anbieten kann. Die „First in, first out„-Regel ist dann sehr schwer einzuhalten. Bei Hashflare bezahle ich meine Hashpower bereits für ein ganzes Jahr im Voraus. Wenn ich z.B. 1000 Euro investiere und mir nach 6 Monaten z.B. 0,05 BTC ausbezahlen lasse, müsste ich den eingesetzten Betrag berechnen, so dass ich in diesem Fall 500 Euro investiert habe um 0,05 BTC zu erhalten. 0,05 BTC sind stand heute 514,96 Euro.
Mit den 14,96 Gewinn falle ich, in der Annahme, kein Gewerbe zu betreiben aber noch unter die 600 Euro Freigrenze und muss entsprechend keine Steuern bezahlen. Bei dieser Rechnung, sind aber keine täglichen Reinvestments berücksichtigt. Es muss aufgrund der Jahrsverträge bei Hashflare immer ausgerechnet werden, was ich bis zum Tag der Auszahlung investiert habe und was ich dann herausbekommen habe.

An diesem Punkt tut sich ein Gewerbetreibender natürlich einfacher, was die Berechnung angeht. Aber genau hier, sollte man mit seinem Umfang, den man beim Cloudmining betreibt nochmals explizit mit einem Steuerberater auf das Finanzamt zugehen und sich erkundigen. Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich, das Finanzämter sehr unterschiedlich auf Anfragen reagieren und urteilen.

Natürlich hat man als Gewerbetreibender auch kleine Annehmlichkeiten, aber das würde den Rahmen hier nun sprengen. Kurze Stichwörter sind hier „Teile der Miete absetzen“, „Leasingfahrzeug“, Abschreibung von Hardware“.

HashFlare

Meine eigene Meinung

Es steht nun klar fest, wie die unterschiedlichen Coins zu versteuern sind, ab wann das ganze teilweise bzw. vollkommen steuerfrei ist. Doch manche Coins oder Token sind nicht zum langfristigen halten in einer Wallet gedacht, sondern dienen tatsächlich um über oft sehr kurze Zeiträume Gewinne zu machen.

Meiner Meinung nach, ist es mit halbwegs stabilen Währungen wie z.B. Bitcoin, Ethereum, Ripple, IOTA, ZCash durchaus möglich diese über den Zeitraum von 1. Jahr in seinem Wallet zu halten. Natürlich mit der Hoffnung auf steigende Kurse :).

Was das Mining angeht, so ist der Vertrag mit Hashflare schon sehr schön ausgearbeitet. Der Anbieter sitzt in der EU und durch das Abkommen zur Vermeidung der Doppelversteuerung mit Litauen, können die Gewinne in Deutschland versteuert werden. Ich selbst mine in der Cloud auf Hashflare und handle auf meiner Meinung nach, an der besten Börse Bincance.

Ich kann hier keine 100%ig genauen Steuertipps geben und sehe den Beitrag eher als kleinen Hinweis, in welche Richtung wir uns aktuell in Deutschland bewegen. Ein genaues Vorgehen sollte immer mit einem Steuerberater abgesprochen werden.

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